Nach längerer Untätigkeit hier, schreibe ich doch wieder etwas. Ich mag es nicht, glaube ich, wenn ich den Zwang habe jeden Tag was zu machen hier. In der ersten Woche hatte ich den und das war ne Weile ok, aber dann wurde es zur Pflicht. Das soll es aber nicht sein, finde ich. Na jedenfalls überwiegt jetzt wieder das Bedürfnis mich mitzuteilen :)
Hoffe es liest überhaupt noch jemand mit?

Ich bin jetzt zwei Monate hier und … ich habe mich eingewöhnt. Ich habe Gewohnheiten entwickelt und Routinen gefunden und eigentlich so etwas wie einen normalen Tagesablauf. Zurück an Deutschland denkend, kommt mir heute alles fern und fremd vor. Nicht unbekannt nur einfach weit weg und es spielt nicht wirklich eine Rolle für mich. Ich lehne es nicht ab aber vermisse es auch nicht. Einerseits überrascht mich das durchaus positiv – andererseits ist es auch ein klein wenig traurig.
Der Mensch ist ein gar anpassungsfähiges und unstetiges Geschöpf.

Gewohnheiten war das Stichwort, nun:
Ich stehe morgens so gegen 8 Uhr auf, quäl mich ein bisschen bis ich ins Bad komme, wenn es gut läuft löffel ich ein paar Cornflakes mit Sojamilch und dann geht’s über 2 Autobahnen durch nicht mehr ganz so hektischen Verkehr – es ist ja meist schon 9 – 9:30 Uhr rum – zu Siemens. Dabei höre ich NJN-Radio (wird auch online gestreamt) – die haben die BBC-Nachrichten, was einem als Europäer in den USA auch erlaubt, noch etwas von der Welt mitzubekommen! Aber dazu später mehr.

Wenn es spät wird (Stau od. ich bin spät losgekommen) hör ich noch Diane Rehm in ihrer täglichen Diane-Rehm-Show. Die Dame ist 72, hört sich aber älter an. Aber gutes journalitisches Niveau jeden Morgen. Und dann ist Arbeit und die beginnt mit Cafe und ’soda’ (meist zuckerfreies Wasser) holen und kurz Mails lesen, evtl. auf Spiegel kucken was in Deutschland schon passiert ist. Da ist dann bei euch schon so um 3-4 Uhr nachmittags rum.
Und Abends, nach der Arbeit, wird etwas kleines gekocht und eine weitere Gewohnheit ist es mir geworden, praktisch immer mit Stäbchen zu essen. Und fast immer asiatisch zu kochen. Und das ist so gut, dass ich vermutlich ein wenig abgenommen habe. Die Hosen sind auf einmal jedenfalls schon zu locker. Als Süssigkeitenersatz esse ich ganz viel Obst (Asialaden, selbstredend). Ich meine, man hört immer die Amerikaner leiden alle an ‘obesity’ (Fettleibigkeit) – das ist erstmal pauschal und hier eher nicht so. Trotzdem achte ich darauf was ich esse und wähle das schon sorgfältig aus. Und Süssigkeiten lass ich eben ganz weg.
Nachdem heute ‘pay-day’ war und meine Haare auch schon wieder zu lang waren, gings zum Friseur (barber-shop) und da gabs nen typischen amerikanischen Haarschnitt! “Crew-cut”, das heißt oben kurz und an den seiten und hinten gar nix mehr! Doc meinte am Abend, ob ich jetzt dem ‘marine-corps’ beigetreten sei. Genauso wollte ich das. *hehe*

Was ist amerikanisch? Was sind amerikanische Gewohnheiten?
Nun, zum Beispiel konnte ich letzte Woche verfolgen, wie die Stimmung hier betreffs der Präsidentschaftswahlen ist. Es gab ja neue Auftritte von Reverend Wright und Obama war bei Fox!
Ich hab zum Spass mal die letzte Zeit vermehrt Fox gekuckt; Da hat es mir v.a. Bill O’Reilly angetan, mit seinem täglichen “Bill O’Reilly Factor“. Sowas gibt es in Deutschland nicht! Der Typ ist ein konservativer ‘hypocrite’ (Heuchler) und Populist! Letzte Woche geisterte u.a. durch die Medien, dass Miley Cyrus – hier bekannt als Hannah Montana und 15-jähriges Sternchen vom Disney Channel – ein paar Fotos in der Vanity Fair veröffentlich hat. Gemacht immerhin von Annie Leibowitz, einer anerkannten Fotografin internationalen Rangs. O’Reilly fand das aber abscheulich und kritisierte, dass Kinder und Jugendliche hier sie als Vorbild sähen und es ja so schwer sei überhaupt noch Vorbilder zu haben, und dass das ja nun gar nicht ginge, sich so ablichten zu lassen.
Heute Abend hatte O’Reilly ein – ganz annehmbares – Gespräch mit Hillary Clinton. Sie hat sich jedenfalls nix gefallen lassen und immer dazu gelächelt. Die Tage kommt dann auch McCain und alle hoffen auch auf Obama. Mal sehn …
Interessant jedenfalls in die konservative amerikanische Seele hineinzublicken – auf Fox.
Am Dienstag werde ich vielleicht in Princeton auf eine ‘watch party’ (pro Obama) gehn – das geht um 8pm los, wenn dann die ersten Zahlen aus Indiana und North Virginia reinkommen. Das ganze findet bei einer Familie privat statt und das sind bestimmt alles eingeschworene Obama-Fans – es verspricht jedenfalls sehr interessant zu werden! Mal sehn ob ich es wage – vielleicht ja mit Torsten zusammen.
Und morgen, am Freitag, fahren Lothar und ich zu meinem ersten ‘baseball’ Spiel – und zwar gleich in die Bronx zu den NY Yankees! Auch das eine uramerikanische Sache. Fotos werden ggf. nachgereicht …

Das waren heut viele Links, viele Informationen und mal wieder Pläne … mal sehn was klappt. Überraschungen nicht ausgeschlossen.