Philadelphia


Im gestrigen Eintrag sind mir  ein Lapsus und ein grober zeitlicher Fehler unterlaufen.

Pennsylvania wurde wie gesagt von William Penn gegründet. Es lebten neben Indianern vorher auch schon ausgewanderte Schweden da. Europäer besiedelten das Gebiet wohl schon ab ca. 1643. Penn bekam das Gebiet (plus was heute Delaware ist) dann 1681 vom damaligen englischen König, Karl dem II von England als Begleichung einer hohen Geldschuld. Philadelphia wurde übrigens dann auch 1682 gegründet (und ist damit die älteste Stadt der USA). “Stadt der brüderlichen Liebe” (vgl. gr. “philo” = Liebe, “adelphos” = Bruder) heißt sie vermutlich auch aus religiösen Gründen (vgl. weiter unten).
Besonders viele Klöster oder übermässig viele gleichgeschlechtliche Paare (sic! – vgl. Kommentar zum Eintrag gestern) habe ich jedenfalls keine gesehen.

Womit ich nun einen Fehler gemacht habe war, die Quäker als “religiöse Sektierer” zu bezeichnen, was den Gedanken an religiösen Fanatsismus / Radikalismus evoziert. Hintergrund war einfach das damalige England und Glaubensstreitigkeiten waren also an der Tagesordnung. Ich hab mich heut Abend etwas eingehender damit auseinandergesetzt und kann nun sagen, die Quäker waren für die damalige Zeit – und sind es auch später und bis heute – ziemlich liberal. Sie kommen religiös aus einer reformierten Richtung, lehnten aber einerseits die anglikansiche Kirche in England als auch den radikalen Puritanismus calvinistischer Provenienz ab. Gerade ihr theologischer Liberalismus wurde ihnen aber damals zum Problem. Wohlgelitten waren sie damit nicht. Im Übrigen gab es Quäker auch in Deutschland, der Schweiz und Österreich.
Quäker leitet sich von “to quake” = beben / zittern ab. Zuerst wurden sie von ihren Gegnern so genannt und zwar hieß es “sie erwarteten mit Beben und Zittern” den Glanz und das Licht Gottes.

Penn hatte jedenfalls alle ähnlich Denkenden in Europa versammelt und nach Pennsylvania eingeladen. Er bezeichnete das als sein “heiliges Experiment”. Daher kommt es, dass sich in Pennsylvania u.a. auch Amish (urspünglich aus Dt. und der Schweiz) sowie Mennoniten angesiedelt haben. Das sind auch nach außen sehr friedliche aber nach innen durchaus strenge Religionsgruppen. Dazu aber ein andermal mehr. Ich plane da mal hinzufahren, nach “Lancaster County”, wo v.a. die Amishen wohnen.

So, damit seien die Quäker – jedenfalls in meinem blog – rehabilitiert und vom Vorwurf des religiösen Fanatismus reingewaschen. Den gibt es vermutlich wohl, evtl. aber weiter oben in den Neuenglandstaaten (vgl. “puritans”). Auch da gibt es vielleicht ein andermal ausführlicher zu berichten.

Zuletzt noch eine richtige Fehlerberichtigung. Die Wahlen für den Präsidentschafts-kandidaten (“primaries”) in Pennsylvania finden natürlich auch noch nicht diesen Dienstag, sondern erst in 2 Wochen, am 22. April, statt. Ich hatte immer nur (aus TV und Radio) einen Dienstag im April im Hinterkopf – aber nicht das Datum.

Nun hoffe ich, heute keine weiteren Fehler reingebracht zu haben.
Den Anspruch habe ich aber, wenn ich was erkläre, sollte es auch stimmen!

Heute, am 6. April 2008, war ich zum ersten Mal in Philadelphia.
Das Wetter war leider nicht so gut aber ansonsten war es ganz schön.
Ich mag Philadelphia, es ist nicht so groß wie New York und ein bisschen älter auch.
Philadelphia (die Stadt der brüderlichen Liebe) war ja zwischen 1790 und 1800 die erste Hauptstadt. Washington gab es damals noch gar nicht und es musste erst gebaut werden. Aus Philadelphia kommen unter anderem Benjamin Franklin und auch Edgar Allen Poe. Washington wohnte ne ganze Weile hier, auch während er die Unabhängigkeiterklärung geschrieben hat.
Am Anfang war ich im Haus von Betsy Ross, die die erste Flagge der USA genäht hat.
Mehr dazu gibts hier: http://www.ushistory.org/betsy/
Die Flagge sieht eigentlich aus wie heute, aber es gibt nur 13 Sterne – für jeden der 13 Gründerstaaten. Auf den Fotos erkennt man auch ein paar Touristen-Führer, die wie damals angezogen sind.
Dann war ich beim ersten Regierungsgebäude und dann bei der ‘liberty-bell’. Das ist eine Glocke welche aus dem Philadelphia des Jahres 1776 stammt. Die Siedler haben die mitgenommen, als sie aus der Stadt vor den Briten geflüchtet sind. Später kam die Glocke wieder zurück und wurde 1780 zum Geburstag von George Washington geläutet. Irgendwann im 19 Jh. ist sie leider kaputt gegangen und heute funktioniert sie also nicht mehr. Weil das alles so ist und es eine alte Glocke ist, heißt sie aber ‘liberty bell’.
Danach war ich kurz am Delaware River. Philadelphia ist ja rechts davon und damit in Pennsylvania. Über dem Delaware liegt Camden, das ist schon in New Jersey. Im Prinzip heißt das, es gibt in Philadelphia (kurz Philly) ein ganz ganz laxes Waffengesetz und die sind da auch alle ein wenig religiöser. Gegründet wurde es von den sog. Quäkern, das waren so religiöse Sektierer, die die Engländer auch nicht mehr mochten und rausgeekelt haben. Weil der König aber leider bei einem von denen riesige Schulden hatte, hat er ihm ein ziemlich großes Stück Land im damals noch ganz wilden Osten geschenkt. Damit hatte er keine Schulden mehr und die religiösen Fanatiker war er auch los, weil der religiöse Sektierer hat William Penn geheißen und der hat dann alle seine Freunde mitgenommen in die neue Welt. So wurde Pennsylvania gegründet.
Ganz nebenbei, am Dienstag (übermorgen) ist in Pennsylvania ja Wahltag (Vorwahlen für die Präsidenten). Mal sehn ob Hillary oder Barak das Rennen machen – ich tippe ja auf Letztern.
Nach dem Hafen ging ich dann ins ‘liberty-museum’. In Philadelphia wurde ja nämlich die erste “constitution” (Verfassung) unterschrieben und die Unabhängigkeit von England erklärt (“declaration of independence”). Darum gibt es das. Eigentlich sind da aber keine Devotionalien zu sehen, sondern es geht allgemein um Freiheit und Unabhängkeit. Da gibt es dann Bilder von wichtigen Leuten wie Ghandi oder Mandela oder auch von ganz unwichtigen, die etwas besonderes geleistet haben. Zwei davon kann man auf den Fotos sehen.
Das war ganz interessant und draußen hat es eh fast den ganzen Tag geregnet. Weil die ganze Altstadt von Philadelphia eine Art “Nationalpark” sind, muss man ja nirgends Eintritt zahlen.
Als ich dann am Nachmittag heimgefahren bin, hab ich gesehn, dass in Camden ein ganz schlimmes Feuer ausgebrochen war. Das sah ein wenig gespenstisch aus, fast wie 9-11 damals in NY. Naja – scheint aber eher eine unwichtige Lagerhalle oder sowas gewesen zu sein. In den Radionachrichten kam jedenfalls nix.
Achja – der Parkwächter der auf mein Auto aufgepasst hat, wollte wissen woher ich komme. Er kannte Deutschland dann zwar, aber eher die DDR. Er war nämlich nicht nur schwarz, sondern auch noch Kommunist. Und zuletzt hat er gemeint, die USA schaffen es nichtmal den Irak zu besiegen, aber der Hitler hat damals ja ganz viele Länder erobern können. Er war vielleicht ein schlechter Mensch, aber klug war er ja, der Hitler.
So der schwarze kommunistische Parkwächter.
Na denn gut, dass mein Navi was von “jetzt bitte links abbiegen” gesagt hat und ich leider schon fahren musste …